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VIEL GELD UND NOCH MEHR BÜROKRATIE

Was im Einzelnen gefördert wird, kann sich von Bundesland zu Bundesland und selbst von Kommune zu Kommune unterscheiden. Foto: Miha Creative/stock.adobe.com

VIEL GELD UND NOCH MEHR BÜROKRATIE

Für das nachhaltige Sanieren und Bauen von Immobilien gibt es zahlreiche Förderprogramme. Ein Weg durch den Dschungel.

Julia Alber

Julia Alber

Foto: Edler von Rabenstein/stock.adobe.com
Foto: Edler von Rabenstein/stock.adobe.com

Ob sanieren, kaufen oder bauen, wer bei seiner Immobilie auf die Energieeffizienz achtet, kann auf so manche Förderprogramme zählen. Was Bund, Land, Gemeinden fördern, ist derzeit in stetigem Umbruch, reicht von Einzelmaßnahmen bis hin zum komplett klimafreundlichen Effizienzhaus. 

Mit der BEG, der Bundesförderung für effiziente Gebäude, gibt es von der BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) Zuschüsse für Sanierungsvorhaben, die für mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien in bestehenden Gebäuden sorgen. Auch die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) hält Fördermittel bereit. Über sie gibt es einen direkt ausbezahlten Zuschuss oder Kredit wie auch Kredite mit Tilgungszuschuss beim Bau wie Kauf einer neuen Immobilie oder der Komplettsanierung eines Gebäudes. Je niedriger, also je besser die Effizienzklasse, desto höher der Tilgungszuschuss. Für ein Effizienzhaus 85 gibt es somit den niedrigsten Tilgungszuschuss von fünf Prozent, für das Effzienzhaus 40 den höchsten mit 25 Prozent.

Ob BAFA oder KfW, vor der Antragstellung müssen Energieeffizienz-Expertinnen oder -Experten eingebunden werden. „Deren Baubegleitung und Fachplanung wird auch bezuschusst“, sagt Frank Wenz, Leiter Förderkreditgeschäft bei der LBBW, und merkt an: „Die Handwerksbetriebe erst dann beauftragen, wenn der Antrag gestellt ist. Die einzelnen Sanierungsvorhaben, die von der BAFA über das BEG gefördert werden, umfassen den Einsatz neuer Heizungsanlagen, die Optimierung bestehender Heizungsanlagen, Maßnahmen an der Gebäudehülle und den Einsatz einer optimierten Anlagentechnik. Pro Wohneinheit und Kalenderjahr sind die förderfähigen Kosten für energetische Sanierungsmaßnahmen von Wohngebäuden auf 60 000 Euro gedeckelt, insgesamt gibt es maximal 600 000 Euro pro Gebäude.

Worst Performing Building

Zu alt für eine Förderung? Das muss nicht sein. Der neue Bonus „Worst Performing Building“ (WPB) ist speziell für die Sanierung von Gebäuden, die hinsichtlich ihres energetischen Sanierungszustands zu den schlechtesten 25 Prozent der Gebäude in Deutschland gehören. Dieser Extra-Tilgungszuschuss beträgt zehn Prozent, im Zuge der Sanierung ist jedoch mindestens die Effizienzhaus-Stufe 70 zu erreichen, damit es die Förderung gibt. Einen weiteren Förder-Bonus mit bis zu 15 Prozent Extra-Tilgungszuschuss - gibt es für die serielle Sanierung, wenn dabei die Effizienzhaus-Stufe 55 oder 40 erreicht wird. „Seriell bedeutet in diesem Fall, dass bei der energetischen Sanierung des Gebäudes etwa auf vorgefertigte Fassaden oder Dachelemente zurückgegriffen wird, großflächige Module verlegt werden, was in der Summe die Arbeit vor Ort schneller macht“, führt Frank Wenz aus.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt mit der neuen Förderung Klimafreundlicher Neubau (KFN) Bauherrinnen und Bauherren - Eigennutzer wie auch Kapitalanleger -, die eine nachhaltige und energieeffiziente Immobilie kaufen oder bauen. Frank Wenz erklärt: „Unterschieden werden zwei Varianten. Da ist zum einen das Programm Klimafreundliches Wohngebäude (KFWG), das mit einem zinsverbilligten Darlehen ohne Tilgungszuschuss für bis zu 100 000 Euro aufwartet. Und da sind die Wohngebäude mit dem Zusatz QNG, bei denen sich das Darlehen auf 150 000 Euro erhöht.“

Hört sich gut an, aber hier geht es für den Klimaschutz richtig zur Sache. Die Wohngebäude müssen die Effizienzhaus-Stufe 40 erreichen, es dürfen weder Öl noch Gas oder Biomasse zum Heizen genutzt werden.

Aufwendige Prozedur

Das Besondere: Das Wohngebäude KFN darf im Verlauf seines Lebenszyklus nur so viel CO₂ ausstoßen, dass die Anforderungen an die Treibhausgasemissionen des „Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude Plus“ erfüllt werden. „Um dies nachzuweisen, wird eine LCA, eine Lebenszyklus-Analyse erstellt, für die jeder genutzte Baustoff bewertet wird“, sagt Frank Wenz. Diese aufwendige Prozedur schlägt mit Kosten von um die 100 00 bis 25 000 Euro zu Buche.

Zertifikat erforderlich

Noch mehr gefordert ist beim Klimafreundlichen Wohngebäude QNG. Hier müssen die Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude Plus (QNG-Plus) oder Nachhaltiges Gebäude Premium (QNG-Premium) erfüllt und durch ein Nachhaltigkeitszertifikat bestätigt werden. Für Letzteres fallen Kosten mindestens in Höhe von 65 000 Euro an. Ein Wohngebäude, das dieses Zertifikat erhält, erfüllt die Anforderungen an den Klimaschutz, schont die natürlichen Ressourcen, schließt Gesundheitsschutz und die Qualität des Planungsprozesses mit ein.

BAFA- und KfW-Förderung können in einigen Fällen kombiniert werden, die förderfähigen Kosten dürfen dabei aber nicht überschritten werden. Energieeffizienz-Expertinnen und -Experten findet man über die Deutsche Energie-Agentur (dena; www.energie-effizienz-experten.de ).