Anzeige

KRAFTAKT FÜR DEN KLIMASCHUTZ

Bis zum Jahr 2030 sollen alle Gebäude des Landes klimaneutral sein. Foto: Jens Hilberger/stock.adobe.com

KRAFTAKT FÜR DEN KLIMASCHUTZ

Auch Stadt und Land haben sich auf den Weg gemacht, um ihre Liegenschaften klimaneutral mit Wärme und Energie zu versorgen.

Petra Mostbacher-Dix

Petra Mostbacher-Dix

Das Ziel ist klar. Bis zum Jahr 2030 soll die Landesverwaltung von Baden-Württemberg klimaneutral werden – und die Wärmeversorgung der 8000 Landesliegenschaften. Diese werden laut Finanzministerium überwiegend über Nah- und Fernwärmenetze versorgt, landeseigen oder von Dritten betrieben. Erzeugt werde die Wärme zu einem großen Teil mittels Kraft-Wärme-Kopplung, heißt es. Hauptenergieträger derzeit: Erdgas mit einem Anteil von rund 50 Prozent. „Zur Gebäudebeheizung werden neben Erdgas Heizöl, Biogas und feste Biomasse eingesetzt, zudem Solar- und Geothermie“, so eine Sprecherin.

Mit welchen Maßnahmen die Wärmeversorgung der Landesgebäude nach und nach klimafreundlich umgestellt werden soll, ist auch im neuen Energie- und Klimaschutzkonzept beschrieben. „Die CO₂-Emissionen sollen stark reduziert und erneuerbare Energien in und auf den Landesgebäuden ausgebaut werden“, so die Sprecherin, unter anderen mit deutlich mehr Wärmepumpen. Heizöl zur Wärmeerzeugung soll nicht mehr verwendet, in den Heizzentralen bis 2028 durch erneuerbare oder gleichwertige Ersatzmaßnahmen ersetzt werden. Erdgas will man bei neuen oder zu modernisierenden Anlagen grundsätzlich nicht mehr nutzen.

Machbarkeitsstudien und Pilotprojekte

Das gilt auch für den Ausbau bei Blockheizkraftwerken beziehungsweise Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die fossile Brennstoffe nutzen. Geplant sind Machbarkeitsstudien für die 57 nicht-universitären Heizwerke mit einer Wärmeleistung von über einem Megawatt. Für die großen Heizkraftwerke der Universitäten und Universitätskliniken indes werden Dekarbonisierungskonzepte erstellt. In acht Pilotprojekten wird erprobt, wie mit Wärmepumpen auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung umgestellt werden kann. „Externe Fernwärme wird nur noch dann weiter genutzt, wenn sie einen Anteil erneuerbarer Energien von mindestens 50 Prozent bis 2030 hat.“

Bis dahin sollen auch andere Maßnahmen realisiert sein, unter anderem soll die Fläche der Photovoltaik auf Landesdächern auf mindestens 600 000 Quadratmeter wachsen. Zudem wird geprüft, wie grüner Wasserstoff für die Energieversorgung der Landesgebäude eingesetzt werden kann. Um den Klimaschutz auf Freiflächen voranzubringen, sollen weitere Moorflächen erworben und intensive Landbewirtschaftung auf landeseigenen Moorflächen bis 2030 beendet werden.

Stuttgart soll bis 2035 klimaneutral gewärmt werden

Zurück zur Wärmeplanung! Hier ist Baden-Württemberg bundesweit vornedran: Kommunen ab 20 000 Einwohner*innen und in Baden-Württemberg müssen Wärmepläne erstellen bis Ende 2023 - unterstützt vom „Kompetenzzentrum Wärmewende“. Der kommunale Wärmeplan bildet die Grundlage für eine klimaneutrale Wärmeversorgung. Eine solche will Stuttgart bis 2035 umsetzen. Die Bedarfsanalyse und Potenzialabschätzung seien abgeschlossen, so ein Sprecher der Stadt. „Das Zielszenario befindet sich in den letzten Zügen. Parallel dazu wird bereits die Wärmewendestrategie inklusive Maßnahmenkatalog ausgearbeitet. Hierzu laufen noch die Abstimmungen.“ Nach der Sommerpause sollen im Ausschuss für Klima und Umwelt die Ergebnisse präsentiert werden, ein Gemeinderatsbeschluss steht demnach im Herbst an. „Die Wärmeplanung liegt bei der Landeshauptstadt in den gemeinsamen Händen der Energieabteilung im Amt für Umweltschutz und den Stadtwerken Stuttgart“, so der Sprecher. Für Potenzialanalysen, etwa von Geothermie, Abwärme, Photovoltaik, sowie Berechnungen verschiedener Szenarien wurden Dienstleister je nach Thema engagiert.

Die energetischen Potenziale von Bestandsquartieren finden

Anteil der jeweiligen Energieträger bei Landesliegenschaften (Zahlen von Mitte 2022)
Anteil der jeweiligen Energieträger bei Landesliegenschaften (Zahlen von Mitte 2022)

Als wichtiger Baustein zur klimaneutralen Landeshauptstadt gilt die Energieleitplanung, um Energiepotenziale ausfindig zu machen und Konzepte für die einzelnen Quartiere zu erarbeiten - je nach Energieinfrastruktur und Beschaffenheit des Geländes. Um die vielen energetischen Potenziale für Bestandsquartiere zu ermitteln, etwa Wärmeverbund, Abwasserwärme, Sanierungsbedarf, Vernetzung von Gewerbe- und Wohngebiet, biete sich an, ein ganzheitliches energetisches Quartierskonzept zu erstellen.

Der Sprecher betont, dass die Landeshauptstadt Stuttgart für ihre städtischen Liegenschaften inklusive Klinikum und Eigenbetriebe seit 1977 ein umfassendes Energiemanagement besitze. „Seit 2020 werden Neubauten nur noch als Plusenergiegebäude errichtet. Alle Sanierungen werden so umgesetzt, dass die Gebäude klimaneutral werden. Die Nachrüstung mit Photovoltaikanlagen soll im Schulbereich bis 2025 und in den anderen Liegenschaften bis 2030 abgeschlossen sein.“ Bis dahin sollen alle Liegenschaften - circa 1300 Gebäude und zusätzlich 2200 energieverbrauchende Einrichtungen - klimaneutral sein. Das „ambitionierte Sanierungsprogramm“ umfasse zum einen die energetische Sanierung der Liegenschaften, um den Energiebedarf zu minimieren, zum anderen die maximale Integration von lokal erneuerbaren Energiequellen. „Die dann noch verbleibende Bedarfslücke wird durch den Bezug von klimaneutralen Energieträgern gedeckt. Der Strombezug ist seit 2012 vollständig auf Ökostrom umgestellt, seit 2022 beträgt der Anteil von biogenem Gas beim Bezug 35 Prozent.“ Im Moment habe die Stadt noch rund 670 Gasheizungen, 40 Ölheizungen, 20 Biomasseheizungen und zehn Wärmepumpen. Ungefähr 180 Liegenschaften seien an die Fernwärme angeschlossen. „Des Weiteren sind rund 20 Solarthermieanlagen und 230 PV-Anlagen auf den städtischen Liegenschaften installiert.“