
Ein strenger Uringeruch liegt in der Luft und eine leere Papiertüte wird vom Wind über die Straße geweht. Wahrscheinlich ist die Tüte aus einem der vielen überlaufenden Mülleimer gefallen, die überall im Herzen Stuttgarts verteilt stehen. Zum Glück ist es noch so früh morgens, dass hier kaum Menschen unterwegs sind. Diejenigen, die jetzt noch durch die Innenstadt laufen, haben meist zu viel getrunken oder sind zu müde, um den Müll und die Gerüche zu bemerken.
Kurz vor der Dämmerung findet in der ganzen Stadt jedoch innerhalb kürzester Zeit eine Verwandlung statt, die wie ein Wunder scheint. In nur etwa einer Stunde ist der Müll auf der Königsstraße verschwunden, kurz darauf folgen auch die anderen Stadtgebiete. Das alles hat nicht etwa mit Magie zu tun, sondern ist der Frühschicht der AWS-Straßenreinigung zu verdanken. Diese fegt durch die Straßen und sorgt dafür, dass selbst die Frühaufsteher unter uns jeden Tag auf sauberen Wegen gehen können. Der Ablauf der Reinigung ist genau abgestimmt und geht Hand in Hand: Zu Fuß werden mit dem Besen Fast-Food-Verpackungen, leere Flaschen und anderer Müll aus verwinkelten Ecken in die Mitte der Straße gekehrt, bevor die Kehrmaschine kommt und den Abfall wie ein hungriges Tier mit lauten, klappernden Geräuschen in sich hineinsaugt. „Dabei ist es wichtig, gut auf Passanten aufzupassen, denn um diese Uhrzeit können viele der Menschen Gefahrensituationen, wie eine auf sie zukommende Kehrmaschine, trotz Warnlichtern und lauten Geräuschen nicht mehr erkennen“, erklärt der Fahrer des Spezialfahrzeugs. Manchmal werde sogar extra nicht ausgewichen oder der zusammengekehrte Müll vor der Kehrmaschine zur Seite gekickt, begleitet mit einem hämischen Blick in Richtung Fahrer.

Andere Fahrzeuge kümmern sich um die Leerung der Mülleimer, deren Inhalt mit einem staubsaugerähnlichen Arm aus unterirdischen Bunkern herausgesogen wird, oder darum, die Urinspuren und -gerüche aus besonders verwinkelten Ecken zu entfernen. Diese Nassreinigung findet alle zwei Tage statt und es ist nicht selten, dass neben Urin auch andere menschliche Ausscheidungen gefunden werden.

Wie viel Müll auf den Straßen liegt, hängt sehr davon ab, an welchem Wochentag die Straßenreinigung stattfindet. Besonders stark ist die Verschmutzung am Samstag- oder Sonntagmorgen, denn da sind nachts die meisten Menschen unterwegs und lassen leere Wodkaflaschen liegen, oder etwa die Verpackungen ihres Mitternachtssnacks. Auch andere Faktoren spielen laut den Saubermachern eine Rolle: Am Monatsanfang ist noch mehr Geld zum Feiern übrig und in den Sommermonaten halten sich mehr Leute draußen auf als im Winter.
„Auch wenn große Feste stattfinden, kann man mit besonders viel Müll rechnen“, sagt der Kehrmaschinenfahrer, der ein großes Verständnis für das Feiern hat. Allerdings wünsche er sich, dass alle mehr darauf achten, dass die Stadt sauber bleibt. Deshalb: „Abfall am besten reduzieren oder vermeiden. Und was anfällt, dann bitte im Papierkorb entsorgen.“ Problematisch für die Reinigungskräfte werden Menschen, die die Arbeit der Teams für selbstverständlich halten. Oft werden Abfälle einfach auf den Boden oder neben den Mülleimer geworfen, weil angenommen wird, dass sie sowieso jemand wegräumen wird. „Einmal hat eine Floristin sämtliche Pflanzenreste und Gartenabfälle vor ihrer Ladentür auf die Straße geworfen“, erinnert sich ein Straßenreinigungswart, „sie war der festen Überzeugung, dass die Straßenreinigung dafür zuständig ist, das Chaos zu beseitigen.“
Respektlosigkeiten in dieser Art kommen zwar immer wieder vor, doch glücklicherweise sind sie die Ausnahme, nicht die Regel. Die Mitarbeitenden seien mitunter sehr stolz auf ihren Beruf, viele können sich kaum an spezifische unschöne Situationen erinnern. Was viel mehr in Erinnerung bleibe, seien Momente der Dankbarkeit: „Etwas Schönes sind die kleinen Kinder, die umarmen mich und rufen immer meinen Namen, wenn ich an ihnen vorbeilaufe“, sagt Straßenreinigungswart Daniel, der seit vier Jahren immer wieder auf dem Marienplatz sauber macht. „Das beste Geschenk ist das Lächeln und die Freude der Menschen, denen ich begegne.“
GUT ZU WISSEN
Ein sauberes und sicheres Stuttgart ist ein Stück Lebensqualität! Dafür leisten die 1000 Männer und Frauen der AWS einen starken Beitrag. Noch besser klappt's, wenn die Bürger mitmachen: Papierkörbe nutzen, Wertstoffe fürs Recycling trennen, Abfall vermeiden... Nützliche Infos und AWS-Services in der Stuttgarter AWS-App und online auf www.stuttgart.de/abfall